Archiv der Kategorie "Heilpflanzen"

Heilpflanzen und ihre Inhaltsstoffe

Heilpflanzen werden schon seit Tausenden von Jahren zur Behandlung von Befindlichkeitsstörungen und Krankheiten mit Erfolg angewendet. Bevor sich die moderne Wissenschaft mit der Analyse von Heilpflanzen beschäftigt hat, musste man sich alleine auf die Erfahrung verlassen.

Heute sind wir in der Lage, die Wirkung von Heilpflanzen durch die Kenntnis der jeweiligen Inhaltsstoffe nachzuvollziehen und zu belegen.

Die wichtigsten Inhaltsstoffe von Heilpflanzen:

Ätherische Öle sind stark wirksame, stark duftende und leicht flüchtige Substanzen. Sie sind die Hauptinhaltsstoffe von z.B. der Pfefferminze oder des Thymians. Ätherische Öle wirken schleimlösend, krampflösend, entzündungswidrig und beruhigend.

Bitterstoffe oder Bitterstoffdrogen regen die Magensaftsekretion an und wirken dadurch verdauungs- und Appetit fördernd. Eine typische Bitterstoffpflanze ist z.B. der Enzian. Manche Bitterstoffdrogen enthalten außerdem noch Scharfstoffe, wie beispielsweise der Ingwer, wodurch eine Kreislauf anregende Wirkung entsteht.

Gerbstoffe sind Eiweiß zersetzende, „zusammenziehende“ Substanzen. Typische Gerbstoffpflanzen sind die Heidelbeere, die eine zuverlässige Wirkung bei Durchfall zeigt, und der Medizinalrhabarber, der z.B. bei Entzündungen der Mundschleimhaut angewendet wird.

Flavonoide. Die Wirkung der Flavonoide ist schwierig zu beschreiben. Flavonoide haben eine ausgeprägte Gefäß abdichtende Wirkung, weshalb sie z.B. bei Venenerkrankungen eingesetzt werden. Die Hauptwirkung von Flavonoiden besteht jedoch in der Wirkungsverstärkung der übrigen Pflanzeninhaltsstoffe.

Saponine wirken Schleim verflüssigend, aber auch Auswurf fördernd. Die Schlüsselblume / Primel ist eine typische Saponindroge, die oft bei hartnäckigen Verschleimungen im Bronchialbereich zum Einsatz kommt.

Schleimstoffe sind pflanzliche Inhaltsstoffe, die in Verbindung mit Wasser stark quellen und dadurch einen flüssigen Schleim bilden. Schleimstoffe wirken Reiz mildernd auf Schleimhäute (Haferschleim!) und Hustenreiz mildernd. Die bekanntesten Schleimdrogen sind z.B. die Eibischwurzel oder das Isländisch Moos.

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Verschiedene Anwendungsmöglichkeiten von Heilpflanzen

Heilpflanzen können auf verschiedene Weise zur Anwendung kommen. Meist werden in der modernen Pharmazie konzentrierte pflanzliche Extrakte – als Tropfen, Saft, Tabletten oder Kapseln - eingesetzt. Aber auch die traditionellen Anwendungen, die ich Ihnen im Folgenden vorstellen möchte, haben durchaus noch ihre Daseinsberechtigung und können bei leichteren Erkran-kungen und Befindlichkeitsstörungen eine wertvolle Hilfe sein.

Inhalationen

Eine kleine „Hand voll“ Tee mit kochendem Wasser überbrühen. Den aufsteigenden Dampf 5 - 10 min inhalieren. Wegen der Gefahr von Verbrühungen nicht für Kinder unter 6 Jahren geeignet!

Umschläge

2 Esslöffel Tee mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und (je nach Tee) 5- 15 min ziehen lassen. Mull mit dem Tee tränken und auf die zu behandeln-de Stelle auflegen. Den feuchten Verband so lange belassen, bis er trocknet.

Kräutersäckchen

Je nach Anwendungsgebiet mit Kräutern füllen und trocken als Duftkissen verwenden oder als feucht-heisse Auflage z.B. bei Krämpfen anwenden.

Tees

Arzneitees sind Arzneimittel! Genauso, wie Sie sich bei der Anwendung von Fertigarzneimitteln an die Dosierung und Art der Anwendung halten müssen, um eine optimale Wirkung zu erzielen, sollten Sie dies auch bei Tees tun.

Ganz allgemein gilt: 1-2 gehäufte Teelöffel mit 150 - 200 ml kochendem Wasser übergießen und 5-10 Minuten abgedeckt ziehen lassen. Dieses Verfahren nennt man Aufguss (Infus). Es kann bei den meisten Blatt-, Blüten- und Kraut-Tees angewendet werden.

Bei der Abkochung (Decoct) wird die vorgeschriebene Menge mit kalten Wasser angesetzt, zum Sieden erhitzt und anschließend abgeseiht. Dieses Verfahren eignet sich für alle Hölzer, Wurzeln und Rinden.

Der Kaltauszug (Mazerat) wird besonders bei schleimhaltigen Heilpflanzen (z.B. bei der Eibischwurzel) bevorzugt. Dabei wird die empfohlene Menge mit kaltem Wasser übergossen, einige Stunden bei Raumtemperatur stehengelassen und abgeseiht. Vor dem Trinken sollte der Auszug unbedingt aufgekocht werden, um etwaige Keime (Pilze, Bakterien) abzutöten.

Teemischungen ( Species) sollten nicht mehr als 5-7 Bestandteile haben (siehe oben). Dabei enthalten Teemischungen so genannte Leitdrogen, welche die Hauptwirkung ausmachen, und Hilfsdrogen.

Die Hilfsdrogen erfüllen verschiedene Aufgaben: behaarte Blätter, wie z.B. Himbeerblätter, wirken dem Entmischen des Tees entgegen. Pfefferminzblätter werden gerne zur Geschmacksverbesserung eingesetzt, Schmuckdrogen, wie z.B. Ringelblumenblüten oder Ritterspornblüten sollen die Tees „gefälliger“ machen.

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Wie bewahre ich Heilpflanzentees richtig auf?

Damit Ihre Heilkräuter oder Tees möglichst lange frisch und wirksam bleiben, sollten Sie folgende Punkte beachten:

  • Lagern Sie Heilkräuter / Tees kühl, trocken und lichtgeschützt.
  • Filterbeutel-Tees, die nicht einzeln verpackt sind, sollten Sie in einer gut schließenden Dose aufbewahren.
  • Instant-Tees (es gibt durchaus empfehlenswerte!) müssen nach jeder Entnahme gut verschlossen werden, da sie in besonderem Maße dazu neigen, Feuchtigkeit anzuziehen.
  • Beachten Sie bitte die unterschiedliche Haltbarkeit: Tees, die aus Wur-zeln (z.B. Baldrianwurzel) bestehen bleiben ca. 3 Jahre wirksam. Tees, die viele ätherische Öle enthalten (z.B. Kamillenblüten oder Melissen-blätter) verlieren den größten Teil ihrer Wirksamkeit bereits nach einem Jahr!
  • Generell gilt: je stärker der Zerkleinerungsgrad, desto kürzer die Haltbarkeit.

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Tipps zum Einkauf von Arzneitees

  • Bevorzugen Sie Arzneibuchqualität! Diese Heilkräuter sind rückstands-frei und garantieren Ihnen außerdem die geforderte Menge an wirksa-men Inhaltsstoffen. Die dabei zugrunde gelegten Kriterien sind sehr streng.
  • Teemischungen sollten aus nicht mehr als 5-7 Bestandteilen zusammen-gestellt sein. Ältere Rezepturen mit teilweise 20 - 30 Bestandteile sind nicht mehr gebräuchlich, weil sie viele unterdosierte Einzelbestandteile enthalten.
  • Beim Kauf von Teebeuteln sollten Sie darauf achten, dass die Teebeutel einzeln verpackt sind, um ein „Ausrauchen“ der Wirkstoffe (betrifft vor allem ätherische Öle) zu verhindern.
  • Teebeutel sollten nicht geklebt sein.
  • Seien Sie skeptisch bei „Mode-Tees“! Oft ist es lediglich so, dass die versprochene Wirkung nicht eintritt. Bei manchen, noch unbekannteren und nicht ausreichend untersuchten Pflanzen können allerdings auch nicht vorhersehbare Nebenwirkungen eintreten!

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Tee-Therapie: pflanzlich=ungefährlich?

Bevor Sie sich mit Hilfe von Tees und Heilkräutern selbst behandeln möchten, sollten Sie bedenken:

  • Pflanzlich heißt nicht, dass Heilpflanzen ungefährlich oder gar ohne Nebenwirkungen sind! „Hilft `s nicht, so schadet es nicht“ trifft auf die Behandlung mit Heilpflanzen ganz und gar nicht zu!
  • Halten Sie sich bitte an die angegebenen Dosierungen und die emp-fohlene Anwendungsdauer! Über- bzw. unterdosiert oder zu lange eingenommen können Ihnen Heilkräuter mehr schaden als nützen.
  • Behandeln Sie eigenverantwortlich nur harmlosere Befindlichkeitsstörungen. Dauern Ihre Beschwerden länger als 48 Stunden an oder sind sie sehr heftig, suchen Sie bitte Ihren Hausarzt auf.
  • Es spricht nichts dagegen, nach Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt die Therapie von chronischen Erkrankungen mit Tees und Heilkräuteranwendungen zu unterstützen.
  • Während einer Schwangerschaft dürfen Sie Heilkräuteranwendungen nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme durchfüh-ren.

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