Pollenalarm! Unsere Heuschnupfenserie - Teil 3
Diagnose und Therapie: Immuntherapie
Um eine Pollenallergie ursächlich zu behandeln, muss der Arzt im Vorfeld einige Untersuchungen durchführen. Standard ist hier der so genannte Prick-Test, bei dem verschiedene in Verdacht stehende Allergene auf die Innenseite des Unterarms getropft werden. Anschließend wird die Haut mit einer dünnen Nadel “angeritzt”. Besteht eine Allergie, rötet sich die Haut nach etwa fünf bis 60 Minuten, es juckt und es bilden sich Quaddeln.
Bei einem positiven Allergietest kann man etwa ab dem Schulalter eine spezifische Immuntherapie (SIT), auch unter “Hyposensibilisierung” genannt, durchführen. Mit dieser Methode wird dem Immunsystem die überschießende Reaktion abtrainiert. Es werden zwei Formen unterschieden: die subkutane Immuntherapie (SCIT) und die sublinguale Immuntherapie (SLIT).
Bei der SCIT werden chemisch veränderte Extrakte eingesetzt. Die Therapie sollte ganzjährig über einen Zeitraum von drei Jahren durchgeführt werden. Die Dosen werden im Verlauf der Behandlung bis zu einer Erhaltungsdosis gesteigert.
Es gibt auch eine Kurzzeit-SCIT. Diese wird mit nicht veränderten Allergenextrakten durchgeführt. Je nach Präparat gibt es unterschiedliche Therapieschemata. Zum Beispiel erhält der Patient vor der Pollenflugsaison in wöchentlichen Abständen insgesamt sieben Injektionen mit einer kontinuierlich gesteigerten Dosis. Die Therapie sollte in drei aufeinander folgenden Jahren rechtzeitig vor der Saison durchgeführt werden.
Bei der SLIT kommen überwiegend unveränderte Allergenextrakte in Form von wässrigen Lösungen zum Einsatz. Je nach Produkt werden sie mit einer kurzen oder ohne Dosiserhöhung angewandt und sollten zwischen einer bis drei Minuten unter der Zunge verbleiben, bevor geschluckt wird. Auch für diese Form der Hyposensibilisierung wird eine Therapiedauer von drei Jahren empfohlen.
Welche Immuntherapie für wen?
Die Wirksamkeit von SCIT bei der durch Pollen und auch durch Hausstaubmilben hervorgerufenen allergischen Rhinokonjunktivitis ist durch zahlreiche kontrollierte Studien belegt. Zu diesem Schluss kommt die Ende letzten Jahres veröffentlichte, aktualisierte Leitlinie „Spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen“ der allergologischen Fachverbände in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Bei Gräserpollenallergie verminderten sich in der Mehrzahl der ausgewerteten Studien in der behandelten Gruppe Symptomatik und/ oder Medikamentenverbrauch um mindestens 30 Prozent, in Untersuchungen zur Birkenpollenallergie durchschnittlich um 45 Prozent gegenüber Placebo. Dieser auch Toleranz genannte Effekt gegenüber den eingesetzten Allergenen hält über die Therapiedauer hinaus an.
Für die Kurzzeit-SCIT ist die Wirksamkeit für die saisonale allergische Rhinokonjunktivitis ebenfalls durch Studien belegt. Die Leitlinie empfiehlt diese allerdings nur, wenn der Patient für eine präsaisonale oder ganzjährige SCIT mit einer größeren Anzahl von Injektionen der Höchstdosis keine Geduld aufbringt oder die Pollensaison kurz vor der Tür steht.
Für die SLIT (= sublinguale Immuntherapie, also Aufnahme der Wirksubstanzen über die Mundschleimhaut) werden ähnliche Effekte nach Gabe hoch dosierter Präparate beobachtet wie für die SCIT. Da nach Ansicht der deutschsprachigen allergologischen Fachverbände jedoch noch einige Fragen ausstehen, zum Beispiel zum langfristigen Therapieerfolg, empfiehlt die Leitlinie die SLIT vor allem dann, wenn eine subkutane Therapie nicht in Frage kommt wegen eines erhöhten Risikos für schwere, potenziell lebensgefährliche systemische Reaktionen nach SCIT. Das kann zum Beispiel der Fall sein bei mittel- oder schwergradig persistierendem (fortbestehendem) Asthma bronchiale, schweren Autoimmunerkrankungen, Immundefekten oder Immunsuppression.
Quelle: das PTA-Magazin 02/2010
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